HALLO DINOSAURIER // EIN BRIEF

hallo dinosaurier, 
vermutlich wirst du nicht weiter als bis hier lesen, einfach, weil es dich nicht interessiert, was ich zu sagen habe. was, wenn ich es genau nehme, komplett berechtigt ist. ich habe so oft versucht, mit dir über diese eine sache zu reden, aber meine eigene unsicherheit hat mir einen strich durch die rechnung gemacht. über whatsapp wollte ich es auch nicht. die gefahr missverstanden zu werden, war dort einfach zu groß. trotzdem schreibe ich dir jetzt, weil ich die chance zum reden verspielt habe.
als ich dich das allererste mal bewusst wahrgenommen habe, waren wir beide in der 8. klasse, wenn ich mich richtig zurückerinnere. von der schule aus gab es eine projektwoche im btz und wir beide haben uns zufällig in den gleichen kurs eingeschrieben. einer, der etwas mit malen zutun gehabt hatte. genauso zufällig saßen wir auch nebeneinander. wie 8. klässler halt so sind, haben wir uns gegenseitig geneckt und ja, ich würde sagen - sehr gut verstanden (auch wenn das damals vermutlich keiner von uns zugegeben hätte). am letzten tag haben sich alle gegenseitig das alte oberteil, was wir extra mitbringen sollten, bemalt. ich hab meins ziemlich lange behalten, vor allem, weil du auch darauf rumgekritzelt hast. nach dieser sache habe ich nichts mehr von dir gehört und irgendwann sind wir uns gegenseitig (vermutlich) egal geworden. selbst das t-shirt war irgendwann verschwunden.
das nächste mal bist du mir erst in der 10. klasse aufgefallen - auf negative art und weise (wie du weißt). wir waren im selben sportkurs und zwar volleyball. ein sport, den du liebst und ich hasse und in dem ich nur war, weil alle meine freunde dort waren. ich habe unendlich viele aufgaben verpatzt, unendlich oft den ball nicht angenommen und sowieso war ich so ziemlich immer die letzte, die jemand in seiner mannschaft wollte. ich habe diese zwei (oder war es nur eine?) sportstunden gehasst, schon alleine aus den eben aufgeführten gründen. doch dann kam ein dinosaurier und hat mit seinen freunden böse kommentare abgelassen, die mich mehr als traurig gemacht haben. ohne, dass man es mir nur irgendwie angesehen hatte. sportstunde über sportstunde hat sich meine innere wut also immer mehr angestaut und ich konnte dich überhaupt, wirklich gar nicht leiden. du standest auf meiner imaginären hassliste ganz weit oben. doch genau wie das damalige gut-verstehen, hat sich - nach unserem abschluss - das nicht-gut-verstehen auch verloren. ich dachte, ich bin dich los.
doch das schicksal wollte es anders. nach der 10. klasse kam das gymnasium und es kam wie es kommen sollte: wir waren in einer klasse. ich weiß nicht mehr genau, was ich dachte. es war eine mischung aus "or nein, nicht der" und "bitte lass es nicht so werden wie damals". auf jeden fall nichts gutes. ich hab versucht, dir aus dem weg zu gehen und war so eingefuchst auf dein altes ich, dass ich alles was du machtest, negativ interpretierte. ich weiß noch genau als du in einer pause zu mir und j. kamst und mich (eigentlich nur random) fragtest, ob ich schwarz mag, weil ich nur schwarze hosen trage und zich schwarze notizbücher habe und ich dachte in diesem moment kein einziges mal daran, dass du es nur aus neugier wissen wolltest. ich dachte sofort nur, dass du mich verarschst und dass das einer dieser ach so lustigen witze ist, die eine person eigentlich nur runtermacht. meine antwort fiel entsprechend kühl aus. so zog sich das dann durch die monate. irgendwann hatte ich selbst kein bock mehr darauf. wahrscheinlich, weil mir auffiel, dass du gar nicht mal so scheiße bist. trotzdem hatte ich meine bedenken als du mit j. und mir deine seminarfacharbeit schreiben wolltest. du schriebst mich daraufhin auf whatsapp an. ich erklärte dir das volleyball-dich-nicht-so-super-finden-problem und du erklärtest mir deine damalige welt - wenn auch nur knapp. ich begann, dich zu verstehen und willigte ich ein. ich dachte mir, dass das sogar ganz gut werden könnte, dass du ganz gut bist. in der schule sagte man sich also jetzt hallo und grinste sich an. mehr dann aber auch nicht. irgendwann im dezember fingen wir an, häufiger auf whatsapp zu schreiben. irgendwann sogar jeden tag. wir erzählten uns unser leben, was abseits der schule passiert, was uns berüht und beschäftigt. es dauerte nicht lange, bis wir dachten, alles voneinander zu wissen. du warst mir zu dieser zeit schon so ein guter freund. und hey - du kannst dir nicht vorstellen wie oft ich mir gewünscht habe, dass p. nicht in der schule ist, damit ich in französisch durchrutschen und neben dir sitzen kann. schon im märz 2015 - als es mit der klassenstufe nach berlin ging - habe ich mir so sehr gewünscht, dass du mit j. und mir durch die hauptstadt schlenderst. als ich mit ihr auf dem alexanderplatz saß, habe ich sie darum gebeten, dir zu schreiben bzw. dich anzurufen. ich selber hatte mal wieder nicht die eier dafür. so kam es dann also, dass wir doch noch zu dritt rumschlenderten (gibts das wort?), beim sympathischsten chinesen ever saßen und uns gemeinsam auf die suche nach der jugendherberge machten, um dann the walking dead zu schauen. nachdem wir wieder in thüringen waren, dauerte es nicht lange und es stand die geburtstagsparty von l. und ihrer freundin an, zu der wir beide eingeladen waren. irgendwie komisch auf die zeit zurückzuschauen und zu wissen, was die damalige laura nicht wusste. weißt du, was ich meine?
durch all das und viel mehr wurden wir zu besten freunden. eine freundschaft, die ich nie - wirklich nie - vergessen werde. egal, was wir zusammen gemacht haben. es gab nichts besseres für mich. kannst du dich noch daran erinnern als wir chris auf seiner arbeit besucht haben? als wir dort kühe und bullen mit einer bürste gestreichelt haben oder mit diesem lustigen fahrzeug durch den stall gefahren sind und du die große stalltür kaputt gemacht hast?  als ich dir geholfen habe bretter zurecht zuschneiden? als wir im park eine volleyball-üben-wollen-aber-trotzdem-fußball-spielen-session gestartet haben? und dann schlussendlich shisha geraucht haben? als wir in jena waren und zusammen ins spiegelkabinett gegangen sind und du auf den rückweg ein russisches buch gefunden und mitgenommen hast?
als wir deinen geburtstag in der schule mit ganz viel luftschlangen und konfetti gefeiert haben? oder als ich frau f. veräppelt habe und sie dir ein französisches geburtstagslied gesungen hat (obwohl du nicht geburtstag hattest)? als deine eltern nicht da waren und wir in deinem garten saßen und buffalo soldier gehört haben? als wir bei dir waren, ganz viel leckeres zeug zusammengehauen haben und es einfach nur bombastisch geschmeckt hat? als ich heimlich bei dir schlief, du vor der 0. stunde fahrschule hattest und ich mitgefahren bin (und deine eltern nur wegen einem braunen haar herausgefunden haben, dass ich da war)? als wir sleepover bei mir gemacht haben und auf dem sportplatz schlangen gesehen haben? die meetings in der galeria, wenn wir erste und zweite ausfall hatten? als wir uns im h&m gegenseitig sachen ausgesucht haben? und noch viel mehr. vielleicht kannst du dich noch daran erinnern.

[...]

vielleicht bringt dieser text etwas. vielleicht bringt er aber auch gar nichts und wir behandeln uns weiter so. damit muss ich dann einfach leben. was ich mit alldem aber sagen wollte, ist eigentlich einfach nur ein satz: in meinem herzen wirst du immer mein bester "bester freund" bleiben. 

vermutlich gäbe es noch viel mehr zu sagen und zu ergänzen und vermutlich auch besser zu schreiben, aber so wie es ist, ist es jetzt einfach. niemand ist perfekt und mein text erst recht nicht.

happy birthday, tinosaurier.

Kommentare :

  1. Der Text ist wirklich wundervoll geschrieben...
    Ich selbst habe auch so eine "bester Freund"-Story, die jetzt aber vor einem halben Jahr in einem Kontaktabbruch geendet hat, was ich unendlich schade finde...
    Es ist wirklich enorm, wie viele Erinnerungen man mit einem einzelnen Menschen gemeinsam haben kann, oder?
    Liebe Grüße

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  2. OHHH so ein schöner Text! War super cool den durchzulesen! Und endlich ist auch mal jemand aus Thüringen, yuheeey! :D

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